Der Vorgang der Befruchtung, über die verschiedenen Entwicklungsstadien des Fötus bis hin zur Geburt des Kindes, ist ein Wunder der Natur. So wie manche Frauen ihren Eisprung spüren, soll es Frauen geben, die vom ersten Moment der Empfängnis an wissen, dass sie schwanger sind.
Die Entwicklung der Eizelle
Einmal im Monat reift im Körper der Frau eine Eizelle (Oozyte) heran. Während die Entwicklung der Eizellen zyklisch erfolgt, wird der Samen beim gesunden Mann kontinuierlich produziert. Die reife Eizelle (selten zwei oder mehr) löst sich aus dem Eierstock und wandert in den Trichter, der Eierstock, Eileiter und Gebärmutter (Uterus) miteinander verbindet. Während sich an der Gebärmutterinnenwand verstärkt Gewebezellen bilden, womit sich die Gebärmutter auf die Einnistung eines Embryos vorbereitet, wartet die Eizelle auf ihre Befruchtung. Erfolgt keine Befruchtung, wird das unbefruchtete Ei zusammen mit dem aufgebauten, stark durchbluteten Gewebe des Uterus abgestoßen und es kommt zur Monatsblutung (Menstruation).
Die Befruchtung
Die Befruchtung erfolgt innerhalb der weiblichen Geschlechtsorgane, in dem der eingeführte Penis etwa drei Milliliter Sperma abgibt. Sperma ist eine Mixtur aus Samenflüssigkeit und Samenzellen, die bei der Ejakulation mit hoher Geschwindigkeit in die Vagina schießt. Der im Sperma schwimmende Samen begibt sich zielstrebig auf die Suche nach einer reifen Eizelle. Für die Befruchtung selbst reicht eine einzige Samenzelle. Das Samenfädchen bohrt sich mit seinem Kopf durch die äußere Hülle der Eizelle und verschmilzt mit dem Zellkern. Nach erfolgter Befruchtung wird die Zellwand sofort für andere Spermien undurchlässig und die Eizelle wandert vom Trichter in den Eileiter. Die übrigen Samenzellen sind überflüssig und sterben ab.
Vom Zellhäufchen zum Embryo
Unmittelbar nach der Befruchtung beginnt die Zellteilung. Die Oozyte verwandelt sich in eine Zygote. Während der Teilung wandert die befruchtete Eizelle (Zygote) durch den Eileiter in die Gebärmutter, wo sie sich an der vorbereiteten Innenwand festsetzt (Einnistung). Dieser Vorgang dauert etwa sieben Tage. Eine Mehrlingsschwangerschaft (z.B. eineiige Zwillinge) entwickelt sich innerhalb dieser Zeit. Am achten Tag ist aus dem Zellhaufen bereits ein Embryo geworden, der natürlich als solcher noch nicht erkennbar ist. Ab jetzt übernimmt die Plazenta, die sich aus Hautzellen an der Innenwand des Uterus gebildet hat, die Versorgung des Embryos mit Sauerstoff und Nährstoffen. Aus der Verbindungsstelle von Eizelle und Gebärmutterinnenwand entwickelt sich die Nabelschnur.
Vom Embryo zum Fötus
Innerhalb der ersten acht Schwangerschaftswochen bilden sich alle wichtigen Organe. Vier Wochen nach der Befruchtung hat der Embryo mit etwa sieben Millimetern schon die 10.000-fache Größe der Eizelle erreicht und das Herz beginnt zu schlagen. Bereits nach fünf Wochen sind die Ansätze für Augen und Gliedmaßen zu erkennen, der Embryo sieht aus wie ein Gummibärchen. Aus den Hand- und Fußknospen entwickeln sich schnell Finger und Zehen, die ab der sechsten Woche deutlich zu sehen sind. Ebenfalls in dieser Zeit wird durch Pigmenteinlagerung die zukünftige Augenfarbe festgelegt. Ab der siebten Woche sind Nasenspitze und Ohren erkennbar. Die Nabelschnur hat sich gebildet, der Embryo schwimmt im Fruchtwasser und beginnt den Kopf zu bewegen. Mit abgeschlossener achter Schwangerschaftswoche ist der Embryo etwa dreieinhalb Zentimeter groß, wiegt zehn Gramm und der Herzschlag ist per Ultraschall nachweisbar. Aus dem Embryo ist ein Fötus geworden.
Vom Fötus zum Menschen
Ab der 15. Schwangerschaftswoche wachsen Haare und Nägel. Der Fötus beginnt am Daumen zu nuckeln und auf Geräusche zu reagieren. Alle Nervenbahnen sind voll ausgebildet und der Fötus ist als kleiner Mensch erkennbar. Das Geschlecht kann festgestellt werden. Jetzt reift der Fötus, wächst und bereitet sich auf die Geburt vor. Mit Ende der 21. Schwangerschaftswoche wiegt das Ungeborene etwa 500 Gramm und ist 20 Zentimeter groß. Die Lungen werden funktionsfähig. Frühgeburten ab dem siebten Schwangerschaftsmonat sind heute dank modernster Medizin überlebensfähig. Ab der 35. Schwangerschaftswoche liegt das Baby kopfüber in Geburtsposition. Bewegungen der Gliedmaßen sind als deutliche Beulen in der Bauchdecke der Mutter zu sehen. In der 40. Schwangerschaftswoche erfolgt die natürliche Geburt. Der neugeborene Mensch wiegt etwa 3.000 Gramm und ist 50 Zentimeter groß.
